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Sozialversicherungsbeiträge verstehen

Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung erklärt

9 min Lesedauer Mittelstufe Februar 2026
Übersichtliche Grafik auf einem Tablet zeigt Gehaltsabrechnung mit verschiedenen Abzugskategorien und farbigen Balken

Was sind Sozialversicherungsbeiträge?

Wenn Sie einen Arbeitsvertrag unterzeichnen, ist die Bruttogehaltsangabe nur der Anfang. Was Sie tatsächlich aufs Konto bekommen, ist deutlich weniger — und das ist völlig normal. Die Differenz besteht hauptsächlich aus Sozialversicherungsbeiträgen, die Sie und Ihr Arbeitgeber gemeinsam tragen.

In Deutschland gibt es vier Hauptsäulen der Sozialversicherung. Zusammen sichern sie Sie gegen die großen Risiken des Lebens ab: Krankheit, Invalidität, Arbeitslosigkeit und das Alter. Sie werden automatisch von Ihrem Gehalt abgezogen — es ist nicht optional, sondern gesetzlich vorgeschrieben.

Durchschnittlicher Abzug: Bei einem Bruttogehalt von 3.000 gehen etwa 700–800 in Sozialversicherungen und Steuern.

Die Krankenversicherung — Ihre medizinische Absicherung

Die Krankenversicherung ist wohl die bekannteste Säule. Sie zahlen etwa 7,3 % Ihres Bruttogehalts, Ihr Arbeitgeber trägt den gleichen Satz. Das ergibt zusammen rund 14,6 %. Bei einem Gehalt von 3.000 sind das etwa 219 monatlich von Ihrem Brutto.

Mit dieser Versicherung bekommen Sie Zugang zu Ärzten, Zahnbehandlungen, Krankenhausaufenthalten und Medikamenten. Es gibt unterschiedliche Versicherungsarten — die meisten Angestellten sind in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, es sei denn, ihr Einkommen überschreitet die Versicherungspflichtgrenze (2024: etwa 4.860 monatlich).

Wichtig: Zusätzlich zahlen Sie einen individuellen Zusatzbeitrag, der je nach Krankenkasse zwischen 0,5 % und 1,5 % variiert. Manche Krankenkassen zahlen sogar Bonuse zurück, wenn Sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

Nahaufnahme eines Arztes, der mit einem Patienten während einer Beratung spricht, medizinisches Umfeld mit Stethoskop sichtbar, natürliche Beleuchtung
Grafik zeigt eine Familie in verschiedenen Lebensphasen: junger Berufstätiger, mittleres Alter mit Familie, älterer Ruheständler, symbolisiert die Rente als Altersabsicherung

Die Rentenversicherung — Ihr Schutz im Alter

Die Rentenversicherung ist Ihre Altersabsicherung. Sie zahlen derzeit etwa 9,3 % Ihres Bruttogehalts, Ihr Arbeitgeber trägt ebenfalls 9,3 %. Das bedeutet bei 3.000 Brutto etwa 279 monatlich. Diese Beiträge fließen in die gesetzliche Rentenkasse.

Wichtig zu verstehen: Die Rente in Deutschland funktioniert nach dem Umlageverfahren. Das heißt, die Beiträge der heutigen Arbeitnehmer zahlen die Renten der heutigen Rentner. Nicht Ihre Beiträge werden auf einem Konto für Sie gesammelt. Dafür erhalten Sie später selbst eine Rente von anderen Arbeitnehmern.

Mit 63 Jahren können Sie eine Rente mit Abschlägen beantragen, mit 67 Jahren haben Sie Anspruch auf die volle Rente. Die genaue Höhe hängt davon ab, wie lange Sie beiträge gezahlt haben und wie hoch diese waren. Durchschnittlich erhalten Rentner etwa 40–50 % ihres letzten Nettogehalts als Rente.

Die Arbeitslosenversicherung — Ihr Schutz in schwierigen Zeiten

Falls Sie Ihren Job verlieren, greift die Arbeitslosenversicherung. Sie und Ihr Arbeitgeber zahlen je etwa 1,3 % des Bruttogehalts — zusammen 2,6 %. Bei 3.000 sind das etwa 78 monatlich. Diese Versicherung finanziert das Arbeitslosengeld I (ALG I), das Sie etwa 60–67 % Ihres früheren Nettogehalts zahlt.

Um Arbeitslosengeld zu bekommen, müssen Sie mindestens 12 Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Die Dauer des Arbeitslosengeldes hängt davon ab, wie lange Sie versichert waren. Mit 50+ Jahren können Sie bis zu 24 Monate Arbeitslosengeld erhalten, sonst meist zwischen 6 und 12 Monaten.

Wichtig: Das Arbeitslosengeld ist eine Versicherungsleistung — Sie haben Anspruch, weil Sie eingezahlt haben. Das ist etwas anderes als Hartz IV oder das Bürgergeld, das für Menschen ohne ausreichende Versicherungszeiten gedacht ist.

Junger Mann sitzt am Laptop zu Hause und sucht nach Jobs online, konzentriert, modernes Homeoffice, warme Beleuchtung, portrait von Brust aufwärts

Wie sieht das konkret aus?

Krankenversicherung
7,3 % + Zusatzbeitrag
bei 3.000 : ~219
Rentenversicherung
9,3 %
bei 3.000 : ~279
Arbeitslosenversicherung
1,3 %
bei 3.000 : ~39
Pflegeversicherung
3,4 %
bei 3.000 : ~102

Diese Beiträge werden vom Brutto abgezogen. Zusätzlich kommt noch die Lohnsteuer und ggf. der Solidaritätszuschlag hinzu.

Pflegeversicherung — oft vergessen, aber wichtig

Es gibt noch eine vierte Säule: die Pflegeversicherung. Sie zahlen etwa 3,4 % (2024), Ihr Arbeitgeber trägt ebenfalls 3,4 %. Diese Versicherung sichert Sie für den Fall ab, dass Sie später Pflegeleistungen benötigen — sei es im Alter oder durch einen Unfall oder eine Krankheit.

Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten für Pflegefachkräfte, Pflegeleistungen oder teilweise stationäre Pflege, je nach Pflegegrad. Ohne diese Versicherung müssten Sie diese enormen Kosten selbst tragen oder hätten kein Anrecht auf Leistungen. Sie ist für Angestellte ebenfalls verpflichtend.

Ältere Frau sitzt mit einer Pflegerin zusammen, beide lächeln, häusliche Pflege in einem hellen Wohnzimmer, warmherzige Szene

Das sollten Sie wissen

Versicherungspflicht

Als Angestellter sind Sie automatisch in allen Sozialversicherungen versichert. Es gibt kaum Ausnahmen — Freelancer und Selbstständige müssen sich selbst kümmern.

Beitragssätze ändern sich

Die Beitragssätze werden regelmäßig angepasst — manchmal sinken sie, manchmal steigen sie. Das Bundesgesundheitsministerium gibt die aktuellen Sätze bekannt.

Lesen Sie Ihre Gehaltsabrechnung

Ihre monatliche Gehaltsabrechnung zeigt genau, wie viel in jede Versicherung fließt. Es lohnt sich, diese zu überprüfen und zu verstehen.

Versichertennummer merken

Ihre Rentenversicherungsnummer finden Sie auf Ihrer Gehaltsabrechnung. Sie brauchen sie für wichtige Anträge und Anfragen bei der Deutschen Rentenversicherung.

Das Wichtigste in Kürze

Sozialversicherungsbeiträge sind keine versteckten Gebühren — sie sind ein System, das Sie schützt. Sie zahlen dafür, dass Sie im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter oder Pflegebedürftigkeit abgesichert sind. Zusammen mit Ihrem Arbeitgeber finanzieren Sie ein solidarisches System, von dem alle profitieren.

Insgesamt gehen etwa 21–22 % Ihres Bruttogehalts in Sozialversicherungen (plus Steuern). Das klingt viel, aber denken Sie daran: Ihr Arbeitgeber zahlt den gleichen Betrag nochmal. Sie bekommen also Versicherungsschutz, den Ihr Arbeitgeber mitfinanziert.

Das nächste Mal, wenn Sie Ihre Gehaltsabrechnung sehen, schauen Sie sich die Zeilen mit den Versicherungsbeiträgen an. Sie werden sehen, dass jeder Euro einen Zweck hat — und dass Sie bereits für Ihre Zukunft sparen.

Hinweis

Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen über das deutsche Sozialversicherungssystem. Die genauen Beitragssätze, Grenzen und Regelungen können sich ändern. Für persönliche Fragen zu Ihrer individuellen Situation kontaktieren Sie bitte Ihre Krankenkasse, die Deutsche Rentenversicherung oder einen Steuerberater. Die Informationen sind informativ und ersetzen keine professionelle Beratung.