Sozialversicherungsbeiträge verstehen
Überblick über die wichtigsten Sozialversicherungen in Deutschland und wie diese berechnet werden.
Mehr erfahrenVerstehen Sie, warum Ihr Nettoeinkommen kleiner als das Bruttoeinkommen ist und welche Abzüge dafür verantwortlich sind.
Es ist eine der häufigsten Überraschungen für neue Arbeitnehmer in Deutschland: Der Betrag, der am Ende des Monats auf dem Konto landet, ist deutlich kleiner als das versprochene Gehalt. Das ist völlig normal — und wird durch verschiedene gesetzliche Abzüge erklärt.
Der Unterschied zwischen Brutto- und Nettoeinkommen ist nicht etwa Geldverschwendung oder versteckte Gebühren. Es sind Beiträge zu Versicherungen und Steuern, die jeden Arbeitnehmer betreffen. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie diese Berechnung funktioniert und wo Ihr Geld wirklich hingeht.
Das Bruttoeinkommen ist der volle Betrag, den Ihr Arbeitgeber mit Ihnen vereinbart hat. Das ist die Zahl, die in Ihrem Arbeitsvertrag steht. Wenn Sie beispielsweise 3.000 Euro monatlich verdienen sollen, ist das Ihr Bruttoeinkommen.
Das Nettoeinkommen ist das Geld, das Sie tatsächlich erhalten — nach allen Abzügen. Das ist der Betrag, der auf Ihr Bankkonto überwiesen wird. Bei den 3.000 Euro könnten das beispielsweise nur 2.100 Euro sein, je nach persönlicher Situation.
Der Unterschied wird oft mit etwa 25-30% des Bruttogehalts berechnet, kann aber je nach Steuerkategorie, Alter und persönlichen Verhältnissen unterschiedlich ausfallen.
Von Ihrem Bruttoeinkommen werden mehrere Komponenten abgezogen. Hier sind die wichtigsten:
Das ist Ihre Einkommensteuer, die der Staat einzieht. Die Höhe hängt von Ihrer Steuerklasse ab. Steuerklasse I zahlt etwa 10-20% des Bruttos, Steuerklasse IV bis zu 24%. Diese Steuer finanziert öffentliche Dienste wie Schulen, Straßen und Polizei.
Das ist die größte Abzugsposition. Sie zahlen jeweils etwa die Hälfte mit Ihrem Arbeitgeber für vier Versicherungen: Krankenversicherung (ca. 8%), Pflegeversicherung (ca. 3%), Rentenversicherung (ca. 9,3%) und Arbeitslosenversicherung (ca. 2,6%). Diese Beiträge sichern Sie für den Notfall ab.
Dies ist ein zusätzlicher Zuschlag auf die Lohnsteuer, der hauptsächlich für die deutsche Wiedervereinigung gedacht ist. Für viele Arbeitnehmer fällt dieser 2021 teilweise weg, aber nicht für alle.
Falls Sie Mitglied einer Kirche sind, wird dieser Prozentsatz der Lohnsteuer abgezogen. Sie können aus der Kirche austreten, um diesen Abzug zu vermeiden.
Nehmen wir ein konkretes Beispiel. Ein Single-Arbeitnehmer (Steuerklasse I) verdient 3.500 Euro brutto monatlich:
In diesem Beispiel liegen die Abzüge bei etwa 33% des Bruttos. Das ist eine typische Quote für einen ledigen Arbeitnehmer. Verheiratete oder Eltern mit Kindern (Steuerklasse III/IV) zahlen oft weniger Steuern, wodurch die Quote sinkt.
Mehrere Faktoren spielen eine Rolle bei der Berechnung Ihrer Nettoeinkommen:
Es gibt sechs verschiedene Steuerklassen (I bis VI). Steuerklasse I ist für ledige Arbeitnehmer ohne Kinder. Verheiratete können zwischen III und V wählen. Steuerklasse VI gilt für Zusatzeinkommen. Je höher die Klasse, desto mehr Steuern zahlen Sie.
Wenn Sie Kinder haben oder verheiratet sind, erhalten Sie automatische Freibeträge. Diese reduzieren Ihr zu versteuerndes Einkommen. Ein Kind bringt einen Freibetrag von etwa 6.384 Euro pro Jahr mit sich.
Die Krankenversicherungsbeiträge variieren je nach Versicherer zwischen 8% und 8,9%. Private Versicherer können unterschiedliche Tarife anbieten. Das macht einen Unterschied von etwa 30-50 Euro monatlich.
Die Kirchensteuer ist der einzige Abzug, der nach Bundesland unterschiedlich ausfällt. Sie beträgt zwischen 8% und 9% der Lohnsteuer, abhängig davon, in welcher Kirche Sie Mitglied sind.
Versicherungsbeiträge können abzugsfähig sein. Berufsunfähigkeitsversicherung oder private Altersvorsorge reduzieren Ihr zu versteuerndes Einkommen. Das ist einer der wenigen Punkte, wo Sie Geld sparen können.
Große medizinische Ausgaben, Handwerksdienste am Haus oder Umzugskosten können in bestimmten Fällen steuerlich abgesetzt werden. Das ist selten, aber wichtig zu wissen.
Der Unterschied zwischen Brutto und Netto ist normal und notwendig. Sie zahlen Beiträge für Versicherungen, die Sie schützen, und Steuern, die öffentliche Dienste finanzieren. Typischerweise verlieren Sie zwischen 25% und 35% Ihres Bruttos durch Abzüge.
Die größten Positionen sind die Sozialversicherungsbeiträge (etwa 18-21%) und die Lohnsteuer (10-24%, je nach Steuerklasse). Diese Beträge sind gesetzlich festgelegt und nicht verhandelbar — es sei denn, Sie ändern Ihre Steuerklasse oder persönliche Situation.
Es gibt allerdings Möglichkeiten, Ihre Nettoeinkommen zu verbessern. Durch private Versicherungen, die steuerlich abzugsfähig sind, oder durch die richtige Steuerklassenwahl können Sie manchmal einige hundert Euro pro Jahr sparen. Ein Blick auf die Gehaltsabrechnung lohnt sich also.
Wenn Sie die Zahlen auf Ihrer Abrechnung verstehen, verlieren Sie die Angst davor. Es ist nicht mysteriös — es ist nur Mathematik und deutsche Sozialgesetze.
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen über die Unterschiede zwischen Brutto- und Nettoeinkommen in Deutschland. Die angegebenen Prozentsätze und Beispiele basieren auf dem aktuellen Steuersystem (2026) und können sich ändern. Für eine genaue Berechnung Ihres persönlichen Nettoeinkommens empfehlen wir, einen Steuerberater oder einen Lohnsteuer-Hilfe-Verein zu konsultieren. Individuelle Situationen können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.